Programm
FREITAG 3.9.
14 Uhr Pädagogik que(e)r zur Identität? – Dekonstruktive Pädagogik mit Jeannette Windheuser
Pädagogik war lange Zeit kaum ohne Begriffe wie ‚Persönlichkeits-’ oder ‚Identitätsentwicklung’ zu denken. Was passiert nun, wenn pädagogische Praxis und queer theory in der Anti-Diskriminierungsarbeit aufeinander treffen? Wenn die Kritik an Macht- und Ungleichheitsverhältnissen kein aufgeklärtes Subjekt hervorbringt, sondern eindeutig definierte und kategorisierte Identitäten ins Wanken bringt?
Elisabeth Tuider (2004) fordert dazu auf, dass es im pädagogischen Handeln darum gehe, „nicht das eine oder andere (männlich oder weiblich, heterosexuell oder homosexuell) oder etwas drittes (z.B. bisexuell, transsexuell) sein zu müssen. Es bedeutet auch nicht, gar nichts mehr sein zu dürfen, sondern auch quer zu allem sein zu können. Es geht darum, verschieden geschlechtliche, sexuelle und kulturelle Verortungsmöglichkeiten, verschiedene Beziehungen, Lüste, Begehren, Geschmäcker auch in der Pädagogik zuzulassen.“ Dabei soll nicht allein eine ethische Bestimmung oder pädagogische Utopie entwickelt werden, sondern zunächst vor allem die eigenen Seh-, Denk- und Handlungsmuster in den Blick genommen werden. Anhand didaktischer Methoden sind pädagogisch Tätige und Interessierte eingeladen, die Chancen und Schwierigkeiten dekonstruktiver Anti-Diskriminierungsarbeit zu reflektieren.
16 Uhr Gewalt in romantischen Zweierbeziehungen mit Almut Dietrich, Landeskoordinatorin der Anti-Gewalt-Arbeit für LSBT in NRW im RUBICON, Köln.
„Ich dachte, ich wäre der einzige Mensch, dem so etwas passiert…“ Gewalt in romantischen Zweierbeziehungen - ein Tabuthema in lesbischen, schwulen, bisexuellen und queeren Zusammenhängen? Gewalt in einer Partnerschaft – verletzende Worte, aber auch ganz handfeste körperliche oder sexualisierte Gewalt: die meisten Menschen verbinden dieses Thema automatisch mit einer klassischen heterosexuellen Partnerschaft. Was ist aber, wenn diese Gewalt zwischen zwei Frauen, zwei Männern oder bei einem transidenten/ queeren Paar vorkommt? Ist Gewalt in diesen Partnerschaften wirklich seltener oder weniger „gewalttätig“, wie viele meinen? Welche Bilder und Vorstellungen haben die Betroffenen, welche ihr Umfeld? Wie prägen diese Vorstellungen den Umgang mit Gewalt in lesbisch-schwulen oder queeren Partnerschaften? Was kann im konkreten Fall getan werden, um Gewalt in einer Beziehung zu
beenden?
Über diese und andere Fragen gibt es im Workshop die Möglichkeit sich auszutauschen und auseinanderzusetzen. Dabei werden Erkenntnisse aus Praxis und Forschung einbezogen.
18 Uhr Grenzenlos?
“Separations”bestrebungen von Feministinnen sorgen häufig für ein gewisses Unbehagen. Vor dem Hintergrund des Postulats der Dekonstruktion werden Ein- und Ausschlüsse in Frage gestellt. Aber warum eigentlich erkämpfen sich auch die immer wieder “Freiräume”, “Frauenräume”, die dieses Postulat teilen? Warum müssen die eigentlich erkämpft werden und sind nicht selbstverständlich? Worin besteht der Unterschied zwischen strategischem Separatismus und Festschreibung weiblicher Identität? Und was verbigrt sich hinter dem sperrigen Begriff des strategischen Essentialismus? Diesen Fragen werden die Referentinnen nachgehen und viel Raum für Diskussionen lassen.
18 Uhr Jingles
Einführung in die Produktion von Jingles und anderen Audioaufnahmen – für Demos, Webseiten, Partys, …. Mit einem einfachen Computer, einem Mikrofon, dem Freeware-Programm „Audacity“ und guten Ideen lassen sich schnell gute Ergebnisse erzielen. Hier lernt ihr wie’s geht! Eigener Laptop wäre praktisch, aber kein Muss. Ihr erhaltet auch eine schriftliche Schritt-für-Schritt-Anleitung, damit ihr das Erlernte zuhause wieder nutzen könnt.
20 Uhr Was HAT die denn?
Anja Herden und Sebastian Kreyer setzen mit “Was HAT die denn?” ein denkwürdiges Radiointerview mit Gerburg Treusch-Dieter aus dem Jahr 2005 in Szene. Die Soziologin erklärt sich, die Welt und die Gemeinsamkeit zwischen Koitus und Küche.
“Anja Herden [hatte sich] häuslich niedergelassen und philosophierte über die Geschlechterrollen, Sexualität, Moral, Schöpfungsgeschichte und den Nutzen von Arbeit und stellte diesen in Frage. Dabei wurden bekannte Philosophen und Psychologen zitiert [...], crazy und schrill, quasi mitten im Publikum.” Stadtmenschen.de
Seit 2008 leitet Anja Herden in Hamburg das “Strachinsky-Ensemble”, eine freie Theatergruppe, die in Hamburg und auf Festivals auftritt.
Sebastian Kreyer ist seit 2008 Regieassistent am Schauspiel Köln. Er studierte in Leipzig und Berlin Theaterwissenschaft, Philosophie und Soziologie. Während des Studiums war er u.a. im Theaterverlag und als Dozent an der Volkshochschule tätig. An der Freien Universität Berlin lernte er Gerburg Treusch-Dieter kennen – ein nachhaltiger Eindruck, aus dem heraus der Theaterabend “Was HAT die denn?” entstand.
22 Uhr Party mit Hello Shitty (Elektro-Riot / Trash-Pop) und Miss Stereo
SAMSTAG, 4.9.
12 Uhr NoiseLab mit Tina Tonagel und EOSIN (Kachelsaal AZ, alternativ Bauwagenplatz Pavillon)
Besucher_innen sind eigeladen den Noise Space zu besuchen und können den ganzen Tag bei den Künstlerinnen verweilen um verschiedene Techniken zur Noise-Erzeugung zu entdecken. Tina Tonagel baut mit euch Instrumente auf dem Tageslichtprojektor, die Ihr später auch mit nach Hause nehmen könnt. Mit Eosin lernt Ihr den Plattenteller als Abspielgerät und Instrument zu nutzen, als Synthesizer und Sampler zugleich. 
prepared TURNTABLE + deformed VINYL RECORDS workshop mit EOSIN
Vinyl-Platten werden auf verschiedene Weise deformiert, zerschnitten, zertrümmert und als Soundcollagen wieder zusammengeklebt. Haushaltsobjekte werden auf dem Turntable eingesetzt um eine ungewöhnliche Vielfalt an Klängen zu erzeugen; Feedback und Geräusche der elektronischen Verbindungen werden auch ein willkommener Teil der Improvisation. Teilnehmer_innen werden eingeladen diese Klangweiten für sich selbst zu entdecken und aufzuzeichnen und selbst improvisierte Sets zu spielen.
Bringt hierzu auch alte Platten zum Zerstören mit!
Kunst und Musik auf dem Tageslichtprojektor mit Tina Tonagel
Tina Tonagel arbeitet mit einem set aus rotierenden, selbst erfundenen Instrumenten die häufig Seiteninstrumenten ähneln. Diese werden mit Motoren automatisiert und produzieren Klang durch das Schaben und Anschlagen der Seiten oder Piezo-Elementen. Im Laufe des Nachmittages wird sie mit den Teilnehmer_innen elektronische Musikinstrumente auf dem Overheadprojektor bauen, die mensch auch mit nach Hause nehmen und dort auch ohne Projektoren einsetzen und weiterverwenden kann.
Wir freuen uns über spontane Teilnehmer_innen aber um zu garantieren dass auch genug Material für Euch da ist, bitten wir bei Interesse an der Workshop-Teilnahme um eine kurze Nachricht: gapnoise[at]gmail.com
14 Uhr Bondage mit Mel
Bondage bezeichnet Praktiken der Fesselung, bei der der Körper zum Teil kunstvoll & dekorativ (oder einfach nur praktisch) gefesselt wird.
Bondage-Workshop für alle Interessierten, offen für alle Gender. Keine Kenntnisse vorrausgesetzt. Interaktiver Workshop, bei dem sich die Teilnehmenden in 2er oder 3er-Gruppen zusammentun und sich gegenseitig (natürlich BEKLEIDET) fesseln.
Seile sind vorhanden, bitte ggf. Isomatte oder Yogamatte mitbringen
14 Uhr Community Accountability
Workshop Block 1 : Community Accountability for Sexual Violence
Does your community have a plan for how to react if someone you know and love is sexually assaulted?
‘Community Accountability’ is a framework developed by organizations in the U.S. for holding perpetrators of oppressive or violent behavior responsible through a process organized by communities, outside of State institutions. The concept comes out of the belief that communities are both responsible for, and affected by, the violence that happens within them. It was designed by and for people of color and queer/trans communities, often targeted by police and the State.
Workshop Block 2 : Transformative Justice : Perpetrator Accountability
The second workshop will build off the concepts discussed in the first, and focus more closely on models for perpetrator accountability processes within a community accountability structure. Transformative Justice seeks more transformative, less punitive ways of addressing violence in our communities. It is based on the belief that individual justice for survivors and social justice for us all are mutually supportive.
All workshops will be presented in English, and discussions can occur in German. Translation is available.
14 Uhr Geschlechterkampf von rechts – Reaktionäre und emanzipatorische Strömungen in der Männerbewegung mit Thomas Gesterkamp
Männerrechtliche Netzwerke formieren sich gegen den Feminismus – und nutzen dabei vor allem das Internet. Die Gleichstellung der Geschlechter sei erreicht, die Emanzipation beendet, behaupten sie in den einschlägigen Onlineforen. Es müsse Schluss sein mit der “organisierten Besserstellung” der Frau.
Die Männerbewegung (wenn man von einer solchen überhaupt sprechen will) präsentiert sich heterogen. Geschlechterdialogisch orientierte Verbände unter Federführung der Kirchen gründen derzeit ein “Bundesforum Männer” als Pendant zum Deutschen Frauenrat. Andere Aktivisten dagegen wittern überall männliche Benachteiligungen. Sie klagen über eine “Kaste der Genderfunktionäre”, deren kulturelle Hegemonie jeden Widerspruch unterdrücke.
Zentraler Bezugspunkt der Männerrechtler ist ihr Antifeminismus. Ein “ausufernder Gouvernanten- und Umerziehungsstaat” fördere einseitig die Frauen. Typisch ist auch die Umdeutung von Begriffen. Im Kampf um die Deutungshoheit wird versucht, ursprünglich emanzipatorisch interpretierte Worte wie “Befreiung” oder “Geschlechterdemokratie” anders zu definieren. Eine weitere wichtige Denkfigur ist der Anti-Etatismus: Unter Berufung auf “freiheitliche” und zivilgesellschaftliche Prinzipien polemisieren Männerrechtler gegen staatliche Bevormundung und warnen vor “Umerziehung” durch öffentliche Institutionen.
Der Referent ist Journalist, Buchautor und Politikwissenschaftler. Er hat für die Reihe WISO-Diskurs der Friedrich-Ebert-Stiftung eine Expertise über die Männerrechtler verfasst.
16 Uhr DJ_ane mit Chantal
Anhand des Computerprogramms Rane Serrato und Timcode Vinyls wird den Teilnehmer_innen ein Einstieg in das Auflegen beigebracht. Dazu gehört auch das Anschließen der Technik sowie das Synchronisieren der Musik. Schwerpunkt dabei soll elektronische Tanzmusik sein und nicht zuletzt die Frage warum so wenig Frauen auflegen. Andere Themen und Anregungen (z.B. zur Technik (alternative Programme); Mischern; Vinyl, Computer oder doch lieber CD`s; Kosten, Vernetzung etc.) werden gerne diskutiert.
Dieser Workshop richtet sich explizit an Leute, die sonst bei dieser Thematik strukturell benachteiligt sind:
+ FrauenLesbenTrans*
+ keine Erfahrung
+ Sprachbarriere
+ motorische Möglichkeiten
+ akademischer Hintergrund
+ Alter
16 Uhr Selbstbestimmtere Handlungsmöglichkeiten im Alltag
Workshop von und für Frauen_Lesben_Trans*
im ALLTAG werden verschiedenste machtverhältnisse, hierarchien und muster subtil
re/produziert. menschen werden in kategorien reingepresst bzw. sollen lernen, eine
ihnen zugeschriebene rolle zu spielen und darin zu funktionieren.
STRUKTURELLE GEWALT IST (K)EIN NORMALZUSTAND!
im WORKSHOP setzen wir uns mit alltagssituation aus einer räumlichen und
körperlichen perspektive auseinander. mit theaterübungen und -impros wollen
wir eine bewusstere wahrnehmung schaffen und nach selbstbestimmteren
handlungsmöglichkeiten suchen.
…wie gehe ich mit alltagsfrust und unwohlsein um?
…wie kann ich meine eigenen bedürfnisse ernst nehmen
sowie mich für die grenzen anderer menschen sensibilisieren?
16 Uhr Von Tunten, Twinks und echten Kerlen: Schwule Männlichkeit, schwuler Selbsthass, schwule Politik mit Patsy l’Amour laLove / Patrick Henze
Hegemoniale Vorstellungen von einer einzigen gültigen Männlichkeit werden tagtäglich immer wieder aufs Neue reproduziert und damit im öffentlichen Diskurs bestätigt. Was allerdings als „echte“ Männlichkeit betrachtet wird, steht für das einzelne Subjekt als sehr einengende Identität: Niemand kann diesem Ideal zur Gänze entsprechen, so dass im Alltag ständig Brüche in der Hegemonie dieser einen Männlichkeit beobachtet werden können.
Durch die Bestrebung der einzelnen Männer, dem angesprochenen Ideal zu entsprechen, kommt es allerdings zu Dynamiken, die wiederum andere, nicht anerkannte Männlichkeiten marginalisieren, diskreditieren und am Individuum diskriminieren. Gerade schwule Männlichkeit wird als gelebte Weiblichkeit, die schlicht mit Unmännlichkeit in Verbindung gebracht wird, nach wie vor verachtet. Die Rate schwulenfeindlicher Gewalt steigt; als schwules Paar, offen Schwuler oder gar als Tunte auf die Straße zu gehen, wird alleine aufgrund der Gefahr, die daraus entstehen kann, gemieden.
Entsprechend dieses Gewaltverhältnisses haben sich innerhalb schwuler Subkultur „eigene“ Männlichkeitskonzepte entwickelt, die sich scheinbar festgelegte Vorstellungen von Männlichkeit angeeignet, transformiert und umformuliert haben. Schwule könnten demnach als Beispiel dafür angesehen werden, wie hegemoniale und dadurch homophobe Männlichkeit progressiv umgedeutet wird.
Bei einem Blick in die heutige schwule Szene muss ich allerdings fragen: Wo sind bitteschön die Tunten hin verschwunden?!
Schwule, die aufgrund ihrer (vermeintlich) gelebten „Weiblichkeit“ diskreditiert werden, diskreditieren sich innerhalb schwuler Kontexte vielfach selbst. Gerade die Tunte gilt als eine Form von Männlichkeit, die keinesfalls ausgelebt werden darf. Damit einhergehend ist die starke Ablehnung von anderen Formen von Tuckigkeit, Dicksein, Behinderung oder Trans*.
Reproduziert aber nun Männlichkeit automatisch patriarchale Vorstellungen von Männlichkeit? Oder ist schwule Männlichkeit stets subversive Männlichkeit, die mit heteronormativen Vorstellungen von Geschlecht bricht?! In diesem Vortrag sollen einige schwule Männlichkeiten in den Blick genommen und analysiert werden. Es wird eine Verbindung hergestellt zur Geschichte der schwulen Bewegung (in der BRD) und der heutigen Situation (un)politischer schwuler Subkultur. Dabei wird ein tuntenpolitischer Maßstab an die vorgenommenen Betrachtungen gelegt.
Der Referent ist Polit-Tunte aus Göttingen, BA in Geschlechterforschung und in linken HomoTrans*-Aktivismusgruppen aktiv.
18 Uhr Sex Is Not The Enemy?! mit Yvonne Wolz
Pornfilmfest, Dildoworkshop, Sexparty – Sexpositiv-Sein, d.h. eine offensive, aufgeschlossene Haltung gegenüber Sexualität und ihrer Spielarten zu haben, hat in den letzten Jahren in vielen queer_feministischen Zusammenhänge an Bedeutung gewonnen und scheint in manchen Städten allgegenwärtig zu sein. Es ermöglicht neue (sexuelle) Rollen auszufüllen, als die, die für FrauenLesbenTrans* gesellschaftlich vorgesehen sind und ist eine Empowerment-Strategie. Für manche bedeutet es aber auch, neuem Druck und Normierungen ausgesetzt zu sein und das Gefühl zu bekommen, anders oder spießig zu sein, wenn man keinen hippen, abgefahrenen oder überhaupt keinen Sex hat. Besonders für Menschen mit sexualisierten Gewalterfahrungen kann das dazu führen, dass Räume sich für sie nicht mehr sicher anfühlen. Über diesen schmalen Grat, seine Chancen und Risiken sowie Konsequenzen für eine queer_feministische Praxis soll es in dem Vortrag mit anschließendem Austausch und Diskussion gehen.
Offen für FrauenLesbenTrans*Intersex
Sex Positiv ist eine Strategie für marginalisierte Geschlechter, wie z.B. FrauenLesben, denen oft von außen eine passive, lustfeindliche Sexualität zugeschrieben wird. Weiterhin geht es um eine Sensibilisierung innerhalb der queer-feministischen/ Ladyfest Szene, die sich Sex Positive Strategien aneignet. Deshalb haben wir uns entschieden, den Vortrag auf FrauenLesbenTrans zu beschränken.
18 Uhr Illegalisierte Migrantinnen in der bezahlten Hausarbeit mit Alex Harstall von Azade Bonn
In immer mehr Haushalten der Mittelschicht in Deutschland erkaufen sich Frauen ihre persönliche Gleichstellung und Männer ihre Freistellung von der Hausarbeit bei Migrantinnen, die in Folge der neoliberalen Globalisierung und der damit einhergehenden Verarmung ihre Herkunftsländer verlassen. Schätzungen gehen von 4,35 Millionen Haushalten aus, die die private Versorgungsarbeit an Dritte abgeben – in über 99% der Fälle ohne jede soziale Absicherung. Gilt hier das Motto »Gleichstellung für die Elite – Hausarbeit fürs Volk«, und zwar möglichst für Menschen aus anderen Herkunftsländern? Ist die Frauenemanzipation in den Industrieländern eine »imperialistische Illusion« (Rommelspacher), die zunehmend auf Kosten von Migrantinnen geht? Warum wird der Geschlechterkonflikt durch die Beschäftigung von Putz- und Haushaltshilfen ausgelagert und vermieden? Wie können wir Teil des Widerstandes werden und verhindern, dass wir Teil des Problems sind?
Alex Harstall, geb. 1977 in Bukarest, ist Gründungsmitglied von MediNetz Bonn medizinische Vermittlungsstelle für Flüchtlinge, MigrantInnen, Menschen ohne Papiere www.medinetzbonn.de und in der interkulturellen Mädchenarbeit tätig www.azade.de.
19 Uhr Kurzgeschichten mit Jennifer Bertram
Jenny kramt in ihrer noch jungen Erzählerinnenkiste herum und wird uns kurze Geschichten vorlesen. Schaurig schöne Geschichten, wie das Leben sie schreibt mit einer guten Portion schwarzem Humor, aber auch verspielt surreal. Geschichten von Problemen, die der Alltag so aufwirft. Probleme mit der Familie, der Finanzierung des Lebens oder der Schwierigkeit einfach nur in diesem klar zu kommen.
19 Uhr Noise-Performances
Ein Stück Kreide ist an einem Mikrofon befestigt. Über den Boden gezogen hinterlässt es eine weiße Linie. Der Klang der dadurch entseht wird verstärkt, aufgenommen und sobald die Linie fertig gezeichnet ist, wieder abgespielt. Gleichzeitigt wird über die bestehende Linie eine neue gezeichnet.
Franziska Windisch (*1983), studiert seit 2005 an der Kunsthochschule für Medien Köln im Fachbereich Kunst. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich mit der Aufzeichnung von Klang, der Bewegung im Raum und Zeit im Sinne von Formalisierung und Übertragung. Die unterschiedlichen Aspekte dieser Übersetzungspraktiken werden in Rauminstallationen, Konzerten und research performances erforscht .
Diana Combo (1983) Aveiro, Portugal
Unter dem moniker EOSIN – einem Anagram des Kraches – kreiert Diana Combo lange Klangtexturen und “lock grooves”, Vinyl-Geraeusche und andere samples und mischt diese mit Feldaufnahmen von verschiedenen Orten auf einer parallelen Ebene. Als EOSIN spielte Sie bisher in Köln, Moers und Barcelona. Während ihren Performances improvisiert Sie in dem Sie Ihre Platten in Echtzeit mischt, während Sie gleichzeitig vorher aufgenommene und bearbeitete Klaenge spielt, die durch verschiedene Software live abstrahiert werden. Zur Zeit findet man Sie in Berlin wo Sie als Assistentin einer elektronischen Musikern arbeitet.
Tina Tonagel ist eine Medienkünstlerin aus Köln und produziert kinetische und mechanisch-skulpturelle Arbeiten. Sie ist auch die Initiatoren des Festival und workshop Formates “Kunst und Musik mit dem Tagelichtprojektor” mit Christian Faubel, Cordula Körber und Ralf Schreiber.
20 Uhr Open Stage, Andromakers, Jo Snyder (AZ oder Bauwagenplatz Wem Gehört die Welt)
Open Stage: Eine Stunde lang seid ihr gefragt, euch selbst darzustellen, wir freuen uns über Anmeldungen (diese haben dann Vorrang)
Andromakers (Südfrankreich)

Zwischen Trance und Traum.
Jo Snyder ist eine “der” Singer-/Songwriter/innen, der Punk/Indie Szene Winnipegs. Zusammen mit John K. Samson (Weakerthans, Propagandhi), Todd Kowalski (Propagandhi, I Spy), Paul Furgale (Painted Thin, Sixty Stories), Stephen Carroll (Weakerthans, Painted Thin) und Chris Hannah (Propagandhi), gehört sie zu den aktivsten und versiertesten Künstler/nnen Winnipegs/Kanadas der 90er Jahre. Unzählige PopPunk Hymnen ihrer beiden Bands Sixty Stories und Anthem Red gehören ohne Zweifel zu den Klassikern dieses Genres.
Nach drei LPs und 5 Tourneen durch Europa, unzähligen Auftritten in Nordamerika und nach dem unerwarten Ende Anthem Reds Ende 2007 entschied Snyder sich MItte 2008 eine Pause einzulegen, Winnipeg zu verlassen und im Rahmen ihres Studiums eine renomierte Schule für Journalismus in Vancouver zu besuchen. Hierauf folgte dann eine 6 monatige Vorbereitung auf ihre Examensarbeit und der Umzug nach Toronto. Mit Abschluss ihres Studiums Anfang 2010 beendet Snyder ihre nusikalische Pause um (wie schon Ende 2007) im März/April 2010 als solo Künstlerin wieder nach Europa zu kommen. Die Weichen sind also gestellt und zwei exklusive Songs für eine Tour EP sind aufgenommen und als Tour 7″ mit unterwegs.
Charmante aber rauhe Singer-/ Songwriter Balladen über das Leben, die nicht zu verstehenden Ungerechtigkeiten und die doch nicht wegzubekommende Hoffnung etwas ändern zu können stehen im Mittelpunkt ihr Songs. Snyders Einflüsse sind Julie Doiron, Amy Milan und musikalisch nicht unähnlich wären Johnny Cash, John K. Samson, oder (akustische) Cardigans. Bemerkenswert ist hierbei besonders ihre unverwechselbare Stimme, die alle Bands bis heute stark geprägt hat.
23 Uhr Gender Suicide mit Ismailova (70er und 80er Disco, Funk und Soul) + Zwöf Stühle + Open Auflegen (für Teilnehmer_innen des DJ_ane-Workshops)
zwölf stühle werden eine musikalische reise vom holprigen möbelhouse bis hin zur elektrohölle antreten, chantal wird an meiner seite sein, dann sind die stühle auch komplett.
SONNTAG 5.9.
14 Uhr „Institutionalisierte“ Frauenarbeit (offene Gesprächsrunde/ Workshop)
In dieser Veranstaltung soll es um den Werdegang, die Ziele, die Möglichkeiten und Grenzen von etablierter Frauenarbeit gehen. Dazu haben wir vier Kölner Institutionen eingeladen (Lobby für Mädchen, 2. Autonomes Frauenhaus, Frauen gegen Gewalt e.V., agisra e. V.) sich kurz vorzustellen und einen Einblick in ihre Arbeit, ihre Politik, ihre Konflikte und ihre Geschichte zu gewähren, bevor wir weitere Fragen stellen und gemeinsam diskutieren können. Die Idee ist, den Austausch zwischen verschiedenen Generationen und Tätigkeitsbereichen von Feminist_innen zu verstärken.
14 Uhr trans* – transphobie – trans*support für Anfänger*innen und Fortgeschrittene (w.i.r. – Linksradikale Trans*Vernetzung NRW)
Der Begriff „trans“ geistert seit einiger Zeit durch die linke Szene und trotzdem können viele nicht so richtig was mit dem Begriff anfangen, bzw. sehen darin „nur“ eine Kritik am binären Geschlechtersystem. Andere haben trans*Menschen in ihrem Umfeld und sind sich im Umgang mit diesen oft unsicher. Wenn du Lust hast ein bißchen was über trans* zu erfahren; wissen willst was eigentlich Transpobie/Transfeindlichkeit ist und wie sie sich äußert und dich fragst, wie du aktiv solidarisch mit trans*Leuten (sei es mit konkreten Personen in deinem Umfeld oder insgesamt) sein kannst, bist du in der Veranstaltung richtig.
Um auch auf konkrete Fragen von Menschen eingehen zu können, die diese nicht in großer Runde äußern möchten, werden wir an geeigneter Stelle auf dem _Fest einen „Briefkasten“ haben, wo ihr eure Fragen loswerden könnt. D.h. Ihr könnte die Veranstaltung auch nutzen, um Fragen loszuwerden, die ihr empathischerweise nicht auf einer Party einer
flüchtigen Bekanntschaft stellen wollt, nur weil die Person zufällig trans* ist.
15 Uhr Two Tears For Barbarella
Das Trio aus Köln kommt frisch aus England zurück um ein Set voller Grunge-Indie-Pop beizusteuern. Schaurig schön sind die Stücke über gebrochenen Herzen, Vergewaltigungsrachefantasien und Pseudo-Linke. Für Fans von PJ Harvey und Sleater-Kinney.
16 Uhr Psychiatrie und Gender mit Alva Dittrich (Uni Bonn)
Dank der Idee der Homosexuellen als “Inverts” (also verkehrte Geschlechter) war es zum einen möglich auf einer privaten Ebene um Verständnis zu bitten (ich kann nichts dagegen tun), gleichzeitig liefert es aber auch das Argument die sexuelle Orinetierung als Krankheit zu sehen (da sie keine Entscheidung zu Grunde legt). Transsexualität kann so ebenfalls als Gender Identity Disorder angesehen werden, was auch das psychologische Gutachten für die Anpassung rechtfertigt – und die Norm als solche nur doppelt bestätigt.
Spezifisch weibliche Krankheite sind ähnlich konzipiert. Seit den Anfängen der Psychiatrie-Geschichte spielen Sexualität und Geschlecht eine wichtige Rolle in der Diagnostik. Berühmt-berüchtigt sind wohl die Bilder der Hysterikerinnen-Vorführung. Vom wandelnden Uterus über die spezifisch weibliche Art wurde seit jeher eine anti-feministische Psychopathologie ermöglicht und weiterentwickelt.
16 Uhr “Hanuta la Roche” liest Käpten Blaubär:
Die schönsten Geschichten aus den 13½ Leben des Käpt’n Blaubär
16 Uhr Kinder/ Szene / Verantwortung
16 Uhr PKW/LKW Schrauberei
In guter alter DIY Tradition werden Basics für den Umgang mit PKWs/LKWs vermittelt: Was kann ich tun, wenn das Auto liegen bleibt? Was tu ich lieber nicht? Woran erkenn ich was los ist? Wie kann ich das testen? Wie geht so ein Ölwechsel?
18 Uhr HTML mit Esra Uyanik
18 Uhr Ökonomie und Identitäten jenseits von Hauptwiderspruch und ´unhappy marriage´mit Friederike Habermann
Zunächst wollte der Marxismus Single bleiben, niemand war ihm gut genug, so überzeugt war er von sich: Er bekämpfe den Hauptwiderspruch, alles andere würde wie von selbst dadurch erlöst werden. Dann bekam er einen Heiratsantrag vom Feminismus, doch galt dies als ´ unhappy marriage´ (Heidi Hartmann). Schließlich beschloss der Feminismus, ihn zu ignorieren – doch mit dem Fokus auf die (De-)Konstruktion von Identitäten verschwand gleich die gesamte Ökonomie aus dem Blick.
Wie aber, wenn Kapitalismus, Sexismus, Rassismus und alle anderen Herrschaftsverhältnisse nicht als feste Identitäten, sondern als miteinander verwoben verstanden werden? Und wir in unseren Identitäten wiederum damit verknüpft?
Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie unser heutiges Verständnis von Zweigeschlechtlichkeit sowie moderner Rassismus entstand. Den homo oeconomicus, das Subjekt der Wirtschaftstheorie, mit in die Betrachtung einzubeziehen, bedeutet nicht, Ökonomie wieder zum Ausgangspunkt zu erklären, aber es hilft, einerseits die Verwobenheit von Herrschaftsverhältnissen zu verstehen, und andererseits, wie sehr wir selbst mit unseren Identitäten – also allen Aspekten unseres Seins – Teil auch unseres materiellen Kontextes sind.
´Queerémos´ – statt ´Vencerémos´ (wir werden siegen) – bedeutet, nicht nur unsere Identitäten, sondern auch die Räume um uns herum zu queeren. Und so eine andere Welt zu erreichen. Denn nur das eine ohne das andere kann sich nicht verändern, und nur, beides zu queeren, wird uns erlauben, in den Worten Michel Foucaults, ´völlig andere zu sein in einer völlig anderen Welt´.
Der Input beruht auf den Büchern ´Der homo oeconomicus und das Andere. Hegemonie, Identität und Emanzipation´ sowie ´Halbinseln. Anders leben und wirtschaften im Alltag´.







